Beitrag 1013 – 4. Preis

Vollbildgalerie (Link)

Büro: Reichel Schlaier Architekten GmbH Freie Architekten BDA, Stuttgart
Verfasser*innen: Prof. Elke Reichel, Prof. Peter Schlaier
Mitarbeiter*innen: José Antonio Candel Talavera, Tillman Pospischil

Landschaftsarchitektur

Büro: nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover
Verfasser*innen: Christoph Schonhoff, Franziska Schadzek, Florian Depenbrock Mitarbeiter*innen: M.Sc. Evelyn König

Sonderfachleute (Architektur/Stadtentwicklung Berlin)

Büro: Kaup + Wiegand Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Verfasser*innen: Thomas Kaup

Auszug aus dem Erläuterungstext

Leitidee

Das neue Gebäude des BMZ soll das Ensemble am Askanischen Platz als freistehendes Hochhaus komplementieren. Es soll ein selbstbewusster Neubau im stadträumlichen Gefüge entstehen, der den Spagat schafft, sich als wichtiger Stadtbaustein eines Ministeriums zu artikulieren und sich dennoch mit der nachbarschaftlichen Bebauung zu verzahnen. Die historischen Spuren, wie die Sichtbarmachung der ehemaligen Palaisgärten werden auch in Zukunft lesbar bleiben. Gemeinsam mit dem Hochpunkt des Europahauses und den Scheibenhochhäusern im Nachbarblock entsteht eine stadträumliche Fassung des Askanischen Platzes auf der Nordostseite, die die südwestliche Platzkante nachzeichnet.

Das Robinienwäldchen wird bis zum Deutschlandhaus fortgeführt, so dass der Baukörper mit seinem geringen Footprint als Solitär im Grünen sitzt. Alle zusätzlichen Räumlichkeiten, die nicht im Hochhaus untergebracht sind, sind in einem Gartengeschoss gelegen, dass durch großzügige runde Höfe belichtet wird und damit zusätzliche geschützte und begrünte Höfe erhält. Hier findet auch die Verzahnung mit dem Europahaus statt: die schöne, helle Cafeteria liegt im Zentrum zwischen den Gebäuden und dient als Treffpunkt und Verbindungselement. Auch der Konferenzbereich gruppiert sich um einen weiteren Hof, der bei Veranstaltungen als Freibereich dient. Zugänglich werden diese über eine großzügige Treppe, die aus dem Foyer kommend zu diesen begrünten Freibereichen leitet. Das Erdgeschoss des Haupthauses dient als Foyer. Hier ist zusätzlich auch der Pressebereich auf drei Ebenen untergebracht. Vom Foyer aus schaut man in den parkartigen Garten mit Wiesen und Bäumen, deren Pflanzung durch einen erhöhten Pflanzraum von einem Meter sowie großzügigen Pflanzbereichen mit Erdanschluss möglich ist. Die Bibliothek befindet sich oberhalb des Foyers und stellt die Verbindung zwischen Eingangsbereich und den Büroebenen dar. Das oberste Geschoss ist als Ministerebene vorgesehen. Darüber liegt eine üppig bepflanzte Dachterrasse, die einen herrlichen Blick über Berlin ermöglicht. Wenn dies mit den Sicherheitsbestimmungen des Ministeriums in Einklang gebracht werden kann, ist diese Dachterrasse auch öffentlich zugänglich. Ein separater Aufzug ist im Entwurf berücksichtigt. Selbstverständlich ist das gesamte Gebäude barrierefrei geplant.


Beurteilung des Preisgerichts 1013

Die Verfasser schlagen die Setzung eines Hochpunktes abgerückt in der Achse des Deutschlandhauses vor. Die vorhandenen Solitärbauten werden mit dieser Strategie baulich ergänzt und über einen parkartig gestalteten Freiraum miteingebunden. Die so entstehenden vielfältigen Möglichkeiten von Sichtbeziehungen auf dem von der Geschichte historisch aufgeladenen Gelände werden positiv bewertet.

Die Idee den südlicheren Teil des Blocks wieder als grüne Idylle inmitten der Stadt zu stärken, ist nachvollziehbar. Ein Robinienwäldchen und ein ministerialer Garten auf verschiedenen Ebenen stehen nebeneinander und bilden eine Parklandschaft mit unterschiedlichen Atmosphären, Kontrasten und Orten zum Verweilen. Ein grüner Landschaftsraum wird zu einer neuen Adresse für das BMZ an der Anhalter Straße.

Die Lage der Anlieferung und Tiefgaragenrampe wird kritisch beurteilt, weil sie starke Konflikte mit den Fußgängern erwarten lässt.

Die Höhe des Gebäudes ermöglicht dem Ministerium einen sehr selbstbewussten Auftritt, der tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal sein könnte und die Sichtbarkeit des BMZ im öffentlichen Raum hervorhebt. Dies wird im Hinblick auf die Angemessenheit allerdings sehr kontrovers diskutiert. Die stadträumliche Einbindung in die Kette von Hochhäusern von Gleisdreieck bis zur Leipziger Straße ist stadträumlich durchaus denkbar. Die Anforderungen des Hochhausleitbilds der Stadt Berlin kann aber in einem öffentlichen Bauwerk mit hohen Sicherheitsanforderungen nicht umgesetzt werden.

Aus Sicht des Gremiums erfüllt das Hochhaus nicht den Wunsch des Ministeriums, intensive Kommunikation und gut positionierte Begegnungsorte im Gebäudeinneren zu fördern.

Die nachvollziehbare Reduktion des oberirdischen Fußabdrucks erfordert, dass ein wesentlicher Teil des Raumprogrammes unterirdisch untergebracht wird. Diese wesentlichen Räumlichkeiten eines Ministeriums werden in diesem Entwurfsvorschlag leider nur über Lichthöfe belichtet. Hier steht die Sichtweise eines vom Grün geprägten Ministeriums mit Garten und Einfriedung der Wunsch nach mehr räumlichem Zusammenhang mit dem Deutschland-/Europahaus gegenüber. Die großflächige unterirdische Bebauung schränkt die Gestaltung der darüber liegenden Freiflächen stark ein. Eine konsequente Erweiterung des Charakters des Robinienwaldes auf dem Grundstück ist nicht möglich.

Insgesamt stellt der Beitrag einen wertvollen Beitrag zur Diskussion dar. Das BMZ möchte selbstverständlich als Leuchtturm für internationale Zusammenarbeit inhaltlich sichtbar sein, sieht jedoch nicht die Notwendigkeit baulich an diesem empfindlichen Ort zu dominieren.