Beitrag 1007 – 1. Preis

 

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Verfasser*innen

Büro: HENN GmbH, Berlin
Verfasser*innen: Martin Henn
Mitarbeiter*innen: Jörn Frenzel, Oliver Koch, Marcin Kropidlo, Kristijan Markoc, Armin Nemati, Le Quang

Landschaftsarchitektur

Büro: WES LandschaftsArchitektur, Berlin
Verfasser*innen: Michael Kaschke
Mitarbeiter*innen: Yushu Liu, Danyang Shi

Auszug aus dem Erläuterungstext

Leitidee

Leitidee des Entwurfes ist die Schaffung eines neuen urbanen Kommunikationsraums bei gleichzeitiger Würdigung der großzügigen Grünräume des Blockes. Der Entwurf möchte auf die bewegte und schwere Geschichte des Ortes städtebaulich reflektieren, ihn gleichzeitig zugänglicher machen und neu in den gesamten Stadtraum integrieren. Der gesamte Block, auf dem das Wettbewerbsareal liegt, war historisch seit jeher mehr durch den Grünraum als die Gebäude geprägt: in Umkehr zum typischen Berliner Block mit Randbebauung und Freiflächen im Inneren finden wir hier eine Freifläche mit wichtigen Gebäuden darauf vor. Der Entwurf möchte diesen Charakter des Blockes unterstützen, indem er möglichst wenig Bäume fällt und Flächen versiegelt und ihn wieder mehr dem Publikum öffnet. Zu den bestehenden Gebäuden bzw. Gebäudegruppen (Gropiusbau mit Nachbargrundstück und der Topographie des Terrors) wird ein dritter Schwerpunkt hinzufügt: der EZ Campus wird nun als städtebauliche Figur mit dem Deutschlandhaus zusammengefasst und bildet einen dritten städtebaulichen Anker auf dem Block. Das neue EZ-Ensemble selbst besteht funktional und programmatisch aus dem Europahaus sowie zwei weiteren Neubauten, die durch eine Brücke verbunden sind. Grundidee ist hier, auch innerhalb des EZ-Ensembles durch einfache, zurückhaltende Baukörper und deren geschickte Anordnung einen neuen kommunikativen Stadtraum auf dem Wettbewerbsgebiet zu bilden.

Beurteilung des Preisgerichts

Mit zwei neuen kompakten Baukörpern bildet diese Arbeit zusammen mit Europaund Deutschlandhaus ein einladendes Ensemble mit einem sehr flexiblen und großzügigen Platzraum, dem „urbanen Kommunikationsraum“.
Sowohl Sichtbeziehungen als auch eine potenzielle Wegeführung von der Anhalter Straße Richtung Martin-Gropius-Bau sind möglich. Langfristig betrachtet ist die städtebauliche Setzung ein strategisch wertvolles Prinzip welches dem BMZ die Option eines umschlossenen Open-Air-Campus bietet. Die Arbeit argumentiert diese Flexibilität offensiv und überzeugend, da keine baulichen Anlagen die Widmung des Freiraums a priori einschränken. Unterschiedliche Möglichkeiten für ein Sicherheitskonzept des BMZ bieten sich an und können problemlos umgesetzt werden.

Der im Ideenteil vorgegebene Freiraum wird als ein neuer grüner Eingang formuliert und als Erschließung bis zur Wilhelmstraße fortgesetzt. Mit dieser Offenheit erhält das gesamte Ensemble eine neue Bedeutung im Stadtraum und vernetzt sich sehr gut mit der Nachbarschaft.

Die Baukörper sind raumbildend; die Eingangsbereiche bilden dem inneren Campus zugewandte Adressen. Das Motiv der Arkaden betont die Eingangsbereiche – die perspektivische Ansicht von der Anhalter Straße wirkt etwas spröde und könnte verfeinert werden. Gleichzeitig erlauben die solitären Baukörper den Bezug zur Umgebung. Der Martin-Gropius-Bau, die Topografie des Terrors und das Robinienwäldchen werden durch die Setzung der Zwischenräume direkt visuell verbunden und sind als optionale Wegeanknüpfungen aktivierbar. Beide neuen Baukörper sind durch eine breite Brücke im ersten Obergeschoss verbunden. Zum Europahaus gibt es lediglich eine unterirdische Verbindung.

Die Volumetrie bezieht sich sensibel auf die vorhandenen Gebäudehöhen von Europa- und Deutschlandhaus. Eine ansatzweise schachbrettartige Höhenstufung fördert die Belichtung der Baukörper untereinander und vermittelt die Höhen auch in Richtung Martin-Gropius-Bau sehr überzeugend.
Zwingend nicht-öffentliche Bereiche liegen zwischen den Gebäuden und östlich des südlichen Baukörpers neben dem Robinienwäldchen. Die Lage der Einfahrt zur Tiefgarage ist gut gewählt weil sie die Wege der Fußgänger und der Fahrradfahrer nicht tangiert.
Insgesamt überzeugt der Entwurf mit präziser städtebaulicher Setzung, zukunftsweisender Gebäudetypologie und großzügigem Freiraumangebot.